Ziele

Dialogperspektiven. Religionen und Weltanschauungen im Gespräch wurde durch ELES ins Leben gerufen, um neue Formen des weltanschaulichen und interreligiösen Dialogs zu entwickeln, zu erproben und zu implementieren und bildet zukünftige Verantwortungsträger_innen zu Expert_innen des interreligiös-weltanschaulichen Dialogs für Deutschland und Europa aus.
Unsere Teilnehmer_innen treten im Rahmen der Dialogperspektiven untereinander und gemeinsam mit renommierten Wissenschaftler_innen und Expert_innen über eines der wichtigsten Themen unserer Zeit in Dialog: die Rolle von Religionen und Weltanschauungen für das Individuum und für die europäische Gesellschaft.
Dialogperspektiven bildet auf einzigartige Weise die religiöse, politische und gesellschaftliche Pluralität unserer europäischen Gesellschaft ab und bietet einen dringend benötigten Raum für Begegnung, intensiven Austausch und Dialog.

Ziele der Dialogperspektiven

  1. Die Schaffung von interreligiös-weltanschaulichen Beziehungen zwischen jungen Europäer_innen unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Zugehörigkeiten.
  2. Die Vermittlung und Etablierung von praktischen, outcome-orientierten, pluralistischen Dialogverfahren und -formaten im öffentlichen Diskurs und in der Wissenschaft.
  3. Die Förderung eines europäischen, global wirkenden stabilen Netzwerks von zukünftigen Verantwortungsträger_innen, das aktuelle Diskurse an den Schnittstellen von Religionen/Weltanschauungen und gesellschaftlicher Verantwortung mitgestaltet.

Religionen und Weltanschauungen im Zentrum gesellschaftspolitischer Relevanz

Fragen nach den individuellen und gesellschaftlichen Bedeutungen von Religionen und Weltanschauungen werden aktuell vor allem im Zusammenhang mit gesellschaftspolitisch zentralen Thematiken gestellt: Migration, Asyl, Flucht und Integration, die Frage nach kollektiver Identität und gesellschaftlichen Werten, Privilegien, Rechten und Verantwortung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen. Während ein wachsender Teil der europäischen Gesellschaft durch zunehmende Säkularisierung geprägt ist und die Zahl der nicht-religiös Orientierten beinahe ein Drittel der Bevölkerung in Europa ausmacht, ist zeitgleich eine zunehmende religiöse Pluralisierung unserer Gesellschaft zu verzeichnen.

Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen in Europa reflektieren – Diskurse aktiv mitgestalten – nachhaltig in die Gesellschaft hineinwirken

Der politische Einfluss rechter und rechtspopulistischer Parteien in Europa steigt erheblich und beeinflusst die politischen und gesellschaftlichen Diskurse. Diese sind dabei vor allem von Debatten um die Frage nach dem Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften, der Stellung religiöser Minderheiten, von religiöser Radikalisierung und vermeintlich religiös motivierter Gewalt, Antisemitismus und (antimuslimischem) Rassismus geprägt – um nur einige Stichworte zu nennen.

Die mit diesen politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verbundenen Chancen und Herausforderungen gleichermaßen ernst zu nehmen, sie zu reflektieren, sich in den damit einhergehenden Diskursen aktiv zu positionieren sind hierbei zentrale Anliegen des Programms. Mit Hilfe einer eigenen Methodologie sollen dabei die Ergebnisse unserer gemeinsamen Arbeit, die wir mit unseren Teilnehmer_innen erreichen, nachhaltig in die Gesellschaft hineinwirken. Diese Anliegen erscheinen uns gerade in einer Zeit, in der Europa bzw. europäische Gesellschaften immer stärker zu fragmentieren drohen, als besonders wertvoll und notwendig, um einen Beitrag zum Zusammenhalt Europas zu leisten.

Grundlegende Fragen für die gemeinsame Arbeit

Wie können wir gemeinsam über Grenzen der Religionen und Weltanschauungen hinweg in Dialog treten? Wie wollen wir uns als Abbild der zunehmenden Pluralisierung in Europa innerhalb bestehender Diskurse positionieren? Welche neuen Formen des Sprechens über weltanschauliche und religiöse Fragestellungen lassen sich zusammen entwickeln? Wie können Gegensätze und Konflikte in der jeweils persönlichen Lebensgestaltung thematisiert und gleichzeitig gemeinsame Positionen eingenommen werden? Diese und weitere Fragen stellt sich Dialogperspektiven.

Konzeptionelle Grundannahmen

In Auseinandersetzung mit den oben beschriebenen grundsätzlichen Fragen einerseits und der kritischen Reflexion etablierter Formate und Methoden des interreligiösen Dialogs andererseits, sind im Rahmen des Programms eine Reihe konzeptioneller und methodischer Grundannahmen entwickelt worden, die als Basis für das Dialogperspektiven-Programm fungieren:

  • Religionen prägen fundamental das Leben und Handeln des Einzelnen und der Gesellschaft. Die Dialogperspektiven gehen grundlegend von Religionspluralismus aus. An einem reflektierten, inklusiven zeitgemäßen interreligiösen Dialog sind alle Gesprächspartner_innen gleichberechtigt beteiligt. Wenn von Religionen und Weltanschauungen die Rede ist, so werden in Anlehnung an die Sozialstruktur pluralistischer Gesellschaften neben den drei abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) alle monotheistischen sowie sonstige institutionelle Religionen aber auch nicht-institutionelle, privatistische und neureligiöse Gemeinschaften, Orientierungen und Überzeugungen sowie auch atheistische oder anti-theistische Anschauungen berücksichtigt.
  • Innerhalb des Programms wird keine theologische Position favorisiert. Stattdessen werden sozial- und religionswissenschaftlich offene Methoden angewandt.
  • Vor jedem religiösen Bekenntnis steht bei den Dialogperspektiven konsequent die Begegnung ganz unterschiedlicher Personen, die Vielfalt nicht nur hinsichtlich ihrer religiösen Orientierung repräsentieren, sondern auch bezüglich anderer, identitätsstiftender Merkmale wie z. B. sexueller Orientierung, ethnischer Herkunft oder Gender-Identität.
  • Beziehungen stehen im Fokus des Programms: interpersonelle, interreligös-weltanschauliche, interkulturelle. Die Begegnung hat die Beziehung zum Ziel: Das Programm lebt vom intensiven Austausch miteinander, von konstruktiver Auseinandersetzung und vom gemeinsamen Erleben religiöser Praxis. Individueller Glauben und weltanschauliche Einstellungen sind für die Teilnehmenden oft von großer Intimität. Der Austausch bedarf deshalb eines Rahmens, der eine besondere Tiefe der Gespräche ermöglicht – mit dem Ziel, die Beziehungen der Teilnehmenden nach einem Jahr gemeinsamer Arbeit so zu gestalten, dass aus ihnen belastbare persönliche Allianzen werden.
Die Dialogperspektiven haben mir einen intensiven Austausch mit Menschen verschiedenster religiöser Hintergründe, sowie inspirierende Einblicke in deren religiöse Praktiken ermöglicht. Aus den persönlichen Begegnungen mit den anderen Teilnehmer*innen ist ein Verbundenheitsgefühl entstanden, welches weit über den Projektzeitraum hinaus trägt. Die positiven Erfahrungen in den Dialogperspektiven haben mein Interesse befördert, mich als Künstler mit spirituellen Fragen auseinanderzusetzen, Kunstwerke auch in religiösen Kontexten auszustellen und damit im interreligiösen Austausch aktiv zu sein.

Julian, Teilnehmer der Dialogperspektiven

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