Herbstseminar 2015

Das Thema des ersten Seminars, das vom 30.09.2015 bis zum 04.10.2015 stattfand, lautete Gottesbegriff und Sprechen über Gott. Das Seminar fand in der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz bei Brandenburg (Havel) statt, die ELES schon seit Jahren als Partner für Veranstaltungen zur Verfügung steht. Auch für die Dialogperspektiven mit ihren besonderen Anforderungen ist der Tagungsort ideal: So mussten für die Dialogperspektiven-Teilnehmer_innen mit ihren unterschiedlichen religiösen Hintergründen, besonders auf Speisevorschriften Rücksicht genommen werden, was das Haus zuverlässig umsetzte.

 

Inhaltlich und organisatorisch begleitet wurde das Seminar von Dialogperspektiven-Koordinatorin Johanna Korneli und Projekt-Assistent Adrian Fiedler. Die einzelnen Programmpunkte waren in enger aber wechselhafter Folge, was sowohl von den Teilnehmer_innen als auch den Dozent_innen im abschließenden Feedback positiv bewertet wurde.

Der Ablauf sah an jedem Tag einen geistlichen Impuls, Fokussierung zu einem Thema in Arbeitsgruppen, Fachvorträge und Lesungen, sowie die Möglichkeit der Ausübung religiöser Praxis vor. Die Teilnehmer_innen hatten bei gemeinsamen Gebeten, Andachten und Gottesdiensten die Möglichkeit, die religiösen Praktiken und Traditionen der anderen Stipendiat_innen kennenzulernen. Höhepunkt war dabei das gemeinsame Feiern vom jüdischen Fest Sukkot mit dem Bau einer Laubhütte im geschützten Schlossgarten von Gollwitz, was das Denkmalamt dankenswerterweise ermöglichte und die vom Wittenberger Architekten BoArchitekt für Dialogperspektiven entworfen wurde.

Gerade neben dem wissenschaftlichen Austausch wurde der religiös-praktische Austausch, bei dem sich die Teilnehmer_innen offen und begeistert einbrachten als besondere Stärke des Programms hervorgehoben. Hier gab es viele sehr ermutigende und auch bewegende Momente, beispielsweise als beim Kabbalat Shabbat eine muslimische Teilnehmerin als Abschluss aus dem Koran las.

Für die Umsetzung des Programms konnten die folgenden renommierten und Diskurs bestimmende Wissenschaftler_innen gewonnen werden:

AG-Leiter_innen

  • Prof. Dr. Holm Tetens (AG Glaube und Vernunft – natürliche Theologie und interreligiöser Dialog)
  • Prof. Dr. Frederek Musall (AG Ausgesprochene Sprachlosigkeit – Religionsphilosophische Perspektiven zum Gottesbegriff)
  • Dr. Alexander Graeff (Religiöses Sprechen ohne »Gott«  – Was wir von nicht-institutionellen, immanenten und privatistischen Formen von Religiosität und  Spiritualität lernen können)
  • Dr. Ayşe Başol (AG Das Licht Gottes. Gottes Selbstoffenbarung – Über den einen Gott und dessen Licht).

Prof. Dr. Anantanand Rambachan von der Akademie der Weltreligionen konnte für einem Vortrag zum Thema „Not-Two: God, World and Humanity in the Hindu Tradition“ und Prof. Dr. Perry Leukel für eine Einführung in die pluralistische Religionstheologie gewonnen werden. In Erweiterung an das bewährte ELES-Format Ask the Rabbi fand an einem der Seminartage der Programmpunkt Ask the Spirutal Leaders statt, bei denen die Teilnehmer_innen sich mit den Geistlichen Imam Süleyman Kücük, Priester Prof. Dr. Josef Wohlmuth, Pröpstin a.D. Friederike von Kirchbach, und Rabbiner Alexander Grodensky angeregt austauschten. Als besonderes Zeichen der Verbundenheit mit dem Programm darf die Teilnahme des ehemaligen Leiters des Bischöflichen Cusanuswerks, Josef Wohlmuth, gewertet werden.

In einer Abendveranstaltung lasen Karla Reimert Montasser und Jan Kuhlbrodt aus ihren vielfach ausgezeichneten Werken zum Thema Gott und Freiheit. Das anschließende Gespräch moderierte Dialogperspektiven-Projektleiter und ELES-Geschäftsführer Jo Frank.

In einer abschließenden Feedback-Runde erfuhr das erste Seminar sowohl durch die Teilnehmer_innen als auch Dozent_innen eine durchweg positive Bewertung. Die Teilnehmer_innen betonten den einzigartigen Charakter des Programms und waren von der inhaltlichen Schwerpunktsetzung und Vorbereitung durch die Projektkoordinatorin und der Auswahl der Referent_innen überzeugt. Vielfach wurden die besondere Atmosphäre sowie die positive Diskussionskultur innerhalb der Gruppe hervorgehoben. Kritik und Anregungen, etwa das Bedürfnis nach längeren Diskussions- und Reflexionsphasen wurden von der Projektkoordinatorin dankbar angenommen und werden bei der Konzeption der kommenden Seminare berücksichtigt, ebenso wie die von den Teilnehmer_innen eingebrachten Ideen und Vorschläge für zukünftige Themen und Referent_innen.

>> Impressionen vom Herbstseminar 2015

 

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Dozent_Innen

Unsere Gruppe konnte einen Raum schaffen, in dem ich aus der Defensive heraustreten konnte, weil niemand in der Offensive stand. Wir wurden dazu ermutigt, auch das „eigene“ Ungemütliche, Eckige und Kantige nicht entschuldigend wegzuerklären, sondern zu akzeptieren, dass es da ist. Unser Dialog war nicht darauf erpicht, Antworten zu finden, sondern Fragen zu stellen; diese Fragen haben wir nicht einander gestellt, sondern gemeinsam.

Iman, Teilnehmerin der Dialogperspektiven

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