Nina Rosenstein

Das Programm Dialogperspektiven hat mich von Anfang an sehr angesprochen, da ich einerseits persönlich viele Fragen zu meiner Religiösität mit mir trage und andererseits eine gesellschaftliche Anspannung empfinde, die Antworten und Positionierungen zu dem Thema erfordert. Das Gespräch und der Austausch mit anderen Studierenden über diese Themen sehe ich, ins Besondere mit dem interreligiösen und interkulturellen Schwerpunkt des Programms, als große Bereicherung.

Es sind vor allem zwei im Vorfeld zu Dialogperspektiven absolvierte Auslandsaufenthalte, die mir recht eindrücklich die Relevanz der Thematik vor Augen führten: ein Auslandssemester in Los Angeles und ein Praktikum in der deutschen Auslandsvertretung zu den Vereinten Nationen in Genf In den USA hatte ich den Eindruck, dass sich die nationalen und die religiösen Identitäten der jüdisch-amerikanischen Studierenden ergänzen und gegenseitig befruchten. Ethische Grundsätze und politische Überzeugungen verschmolzen zu einem selbstbewussten Selbstbild.

Gewissermaßen im Gegensatz dazu erlebte ich in Genf die Vielfalt und Vielschichtigkeit europäischer Stimmen, die sich nicht so scheinbar problemlos und selbstverständlich zu einer Einheit verschmelzen lassen. Gleichzeitig erzeugen bestimmte politische Themen dennoch eine geschlossene (europäische) Front, die auf ein geteiltes Verständnis eines “westlichen Wertekanons” zurückgeführt werden kann.

Die Diskussion um Werte, Normen und ethische Vorstellungen sind aus den gesellschaftlichen und politischen Debatten nicht wegzudenken. Ich bin überzeugt, dass Dialogperspektiven ein wichtiges Forum für uns Stipendiat_innen mit verschiedenen religiösen und weltanschaulichen Hintergründen und Erfahrungen ist und uns dabei hilft, unsere eigenen Positionierungen zu aktuellen Fragestellungen zu entwickeln.

˝Die Dialogperspektiven haben mir einen intensiven Austausch mit Menschen verschiedenster religiöser Hintergründe, sowie inspirierende Einblicke in deren religiöse Praktiken ermöglicht. Aus den persönlichen Begegnungen mit den anderen Teilnehmer*innen ist ein Verbundenheitsgefühl entstanden, welches weit über den Projektzeitraum hinaus trägt. Die positiven Erfahrungen in den Dialogperspektiven haben mein Interesse befördert, mich als Künstler mit spirituellen Fragen auseinanderzusetzen, Kunstwerke auch in religiösen Kontexten auszustellen und damit im interreligiösen Austausch aktiv zu sein.

Julian, Teilnehmer der Dialogperspektiven