Was wir feiern und warum: Tu Bischwat

Tu BiSchwat – der 15. Tag des Monats Schewet ist das Neujahrsfest der Bäume und wird und wurde in der jüdischen Welt auf sehr verschiedene Weisen gefeiert. Alles dreht sich um Bäume und Früchte. Scherzhaft wird Tu BiSchwat von anderen Festen dadurch unterschieden, dass nach einem anderen Schema gegessen wird als man es sonst zusammenfassen kann:

”They tried to kill us, we survived, let`s eat!”

Da Tu BiSchwat kein Fest aus der Tora oder der unmittelbaren rabbinischen Tradition ist, gibt es in der Umsetzung eine große Vielfalt. So wurde das Fest beispielsweise „wiederentdeckt“ als Moment im jüdischen Jahr, die Achtsamkeit gegenüber der Natur und dem Umgang des Menschen mit ihr zu thematisieren.
So isst man Früchte wie Orangen, Datteln oder Weintrauben mit viel Aufmerksamkeit hinsichtlich der Merkmale der Früchte: Ist die Schale essbar? Hat die Frucht Kerne? Ist sie einheimisch oder importiert? Erinnert sie uns an Israel? Wie schmeckt sie frisch, getrocknet oder gebacken?

Die besondere Aufmerksamkeit beim wachsamen Fruchtverzehr wird durch ein weiteres Ritual verstärkt: die vier Gläser Wein, die beim ”Seder Tu biSchwat” getrunken werden. Ein Glas Weißwein, ein Glas Weißwein mit einem Schluck Rotwein, ein Glas Rotwein mit einem Schluck Weißwein und letztendlich ein Glas Rotwein bringen die Sinnlichkeit auf eine andere Ebene.
Dass Menschen mit Bäumen verglichen werden, ist nicht nur im Beginn der Psalmen der Fall:

”der wird sein wie ein Baum an Wassergräben verpflanzt, der zu seiner Zeit gibt seine Frucht und sein Laub welkt nicht“

(Psalm 1, Buber-Rosenzweig).

Ein Vers aus der Tora, in welchem der Mensch mit einem Baum am Felde verglichen wird (Devarim 20,19), wurde z.B. vom israelischen Dichter Nathan Sach verdichtet und vom Musiker Schalom Hanoch vertont:

”So wie den Baum treibt es auch den Menschen in die Höhe/ so wie er wird er vom Feuer verzehrt/ und ich weiß nicht, wo ich war und wo ich sein werde/ wie der Baum am Felde”.

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˝Die Dialogperspektiven haben mir einen intensiven Austausch mit Menschen verschiedenster religiöser Hintergründe, sowie inspirierende Einblicke in deren religiöse Praktiken ermöglicht. Aus den persönlichen Begegnungen mit den anderen Teilnehmer*innen ist ein Verbundenheitsgefühl entstanden, welches weit über den Projektzeitraum hinaus trägt. Die positiven Erfahrungen in den Dialogperspektiven haben mein Interesse befördert, mich als Künstler mit spirituellen Fragen auseinanderzusetzen, Kunstwerke auch in religiösen Kontexten auszustellen und damit im interreligiösen Austausch aktiv zu sein.

Julian, Teilnehmer der Dialogperspektiven