Rückblick auf die Podiumsdiskussion “Religiöse Vielfalt – Mediale Einfalt”

Am 23. November 2017 diskutierten im Berliner Tagungswerk Mely Kiyak, Publizistin und Autorin (u.a. “Kiyaks Deutschstunde”), Mohamed Amjahid, Journalist und Autor (“Unter Weißen – was es heißt, privilegiert zu sein”) und Christoph Wagenseil, Religionswissenschaftler (REMID) mit Jo Frank (ELES) und Teilnehmer_innen der Dialogperspektiven zum Thema “Religiöse Vielfalt – Mediale Einfalt. Zur Darstellung von Religionen und Weltanschauungen in den Medien”.
Cai Werntgen, Dozent für Ästhetik und Medientheorie und Geschäftsführer der Udo Keller Stiftung Forum Humanum, hielt ein einführendes Grußwort.

Grußwort Cai WerntgenHinführung Mohamed AmjahidHinführung Christoph WagenseilDiskussion Mohamed Amjahid, Mely Kiyak, Jo Frank, Christoph Wagenseil

Cai Werntgen appelierte in seinem Grußwort zunächst, den Medienbegriff zu hinterfragen. Neben den unter “Medien” meist gemeinten technologischen Infrastrukturen habe der Begriff auch nicht apparatistische Dimensionen: der Mensch besäße die Kunst, selbst Medium zu sein. Er rief dazu auf, medientheoretisch die Wechselwirkung und die Diskrepanzen zwischen den dinglichen und den menschlichen Dimensionen dieses Medienbegriffs zu betrachten.

Mohammed Amjahid kritisierte zu Beginn den Token-Effekt in den Medien, der dazu führe, dass Minderheiten stellvertretend bestimmt Positionen zugeschrieben werden. Religiöse Menschen fühlen sich in ihrem Glauben oft verletzt, ergänzte Christoph Wagenseil in seinem Eingangsstatement, wenn in Medien ihrer Religion etwas zuschreiben. Er machte ferner darauf aufmerksam, wie selbstverständlich mit Begriffen wie “Weltreligion” oder “Sekte” gearbeitet werde, ohne dass diese Begriffe zuvor eine nachvollziehbare Definition erfuhren.

Mely Kiyak stellte fest, dass es kein Interesse gibt, dass Medien Religionen wissenschaftlich-fundiert darzustellen. Unter Expert_innen werden in der Regel Soziolog_innen, Psycholog_innen oder Politikwissenschaftler_innen herangezogen, aber selten Theolog_innen. Eine Ausnahme ist zum Teil der öffentlich-rechtlichen Hörfunks, wo es Formate gebe, die sich fundiert mit Religionen auseinandersetzen, allerdings sehr ausgewählt. Als weiteres Phänomen stellte sie fest, dass häufig Vom-Glauben-Abgefallene als Expert_innen für ihre frühere Religion herangezogen werden.
Christoph Wagenseil bemängelte die fehlende Vielfalt in den Medien bei der Berichterstattung über Religionen. So gäbe es über 700 verschiedene eingetragende Religionsgemeinschaften, doch nur wenige finden Erwähnung. Auch das die Heiligen Bücher auf vielfältige Weise unterschiedliche Lesarten erfahren wird ausgeblendet. Selbst über evangelikale Christ_innen werde selten berichtet, obwohl es unter ihren Anhänger_innen promininente Personen aus der Politik gäbe, stimmte Mely Kiyak ergänzent zu. Ihrer Meinung nach sei das Grundproblem beim Thema “Religion und Medien”, dass es kaum Personen mit fundiertem Wissen über Religionen gäbe, die in Medien ausreichend Stellung nehm,en können. Das führe dazu, dass leicht Behauptungen über Religionen und ihre Anhänger aufgestellt werden können, was politisch ausgenutzt wird.

Hier das Video der Veranstaltung vom 23.11.2017

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˝„Die Dialogperspektiven bieten einen einmaligen Perspektivenwechsel! Durch das Programm ist es möglich, sich intensiv mit aktuellen und gesellschaftlich hoch relevanten Fragestellungen zu befassen, die eigene Identität zu reflektieren und die Vielfalt europäischer Identitäten kennenzulernen. Ich bin sehr dankbar für die intensiven persönlichen Gespräche und Begegnungen und die zahlreichen Denkanstöße, die mich weit über die Seminare hinaus begleiten."  

Ezgi, Teilnehmerin Dialogperspektiven

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