Jetzt erschienen: Unser Leitfaden für den jüdisch-muslimischen Dialog in der Praxis!

"Und endlich konnten wir reden ..." Eine Handreichung zu jüdisch-muslimischen Dialog in der Praxis: Herausgegeben von Rachel de Boor, Sonya Ouertani, Hakan Tosuner, Jo Frank. Mit Texten von Frederek Musall, Larissa Zeigerer, Hani Mohseni, Cecilia Haendler, Gil Shohat und Liora Jaffe. Das Buch erscheint am 7. Dezember 2020 im Herder Verlag.

Der jüdisch-muslimische Dialog in Deutschland ist so wichtig wie nie in unserer Gesellschaft. In einer Zeit der zunehmenden Vereinfachung und Zuspitzung politischer Debatten und Botschaften, der immer tiefer werdenden Spaltung der Gesellschaft sowie des Aufstiegs des Rechtspopulismus in Europa und den USA (nicht zuletzt in Verbindung mit abstrusen Verschwörungsmythen infolge der Corona-Krise), ist das Zusammenhalten und der fortwährende Austausch von gesellschaftlichen Minderheiten essenziell.

Seit 2019 bietet Karov-Qareeb, der vom jüdischen Ernst-Ludwig-Ehrlich Studienwerk (ELES) und vom muslimischen Avicenna-Studienwerk initiierte jüdisch-muslimische Thinktank der Dialogperspektiven, jungen Jüd*innen und Muslim*innen einen sicheren Raum für Gespräch, hitzige Debatte und Zusammenarbeit. Es geht um Austauschen und Zuhören, Streiten und Erkenntnis, um das gegenseitige Empowerment, die Ausformulierung von Forderungen und das Gestalten von Gesellschaft, und das nicht nur im interreligiösen Sinne, denn, so schreiben es die Herausgeberinnen Rachel de Boor und Sonya Ouertani in ihrer Hinführung zur Handreichung,

„wenn jüdische und muslimische Menschen aufeinandertreffen, ist dies nicht zwangsläufig eine ausschließlich interreligiöse Begegnung. Weltanschauliche Vorstellungen spielen eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von jüdisch-muslimischen Perspektiven und Allianzen.“

Die Handreichung, die heute im Herder-Verlag erscheint, leistet auf knapp 140 Seiten viel: Theoretische Vorüberlegungen, Beispiele zur praktischen (!) Umsetzung und konrkete Vorschläge, wie man Dissens konstruktiv nutzen kann, um Akteur*innen bei der Planung und Durchführung von Dialogformaten ganz praktisch zu unterstützen. So beschreibt Cecilia Haendler, wie religiöse Inhalte und die religiöse Praxis für den Aufbau von jüdisch-muslimischen Beziehungen genutzt werden können. Larissa Zeigerer geht auf die in diesem Zusammenhang immens wichtige (Selbst-)Reflexionsebene ein und Liora Jaffe plädiert für eine nachhaltige Planung jüdisch-muslimischer Begegnungsprojekte. In Hani Mohsenis Beitrag stehen die Dynamiken der (Fehl-)Kommunikation im Vordergrund, während Gil Shohat auf die Notwendigkeit hinweist, auch unangenehme Themen, wie etwa den Nahostkonflikt, im jüdisch-muslimischen Dialog zu thematisieren. Frederek Musall rundet den Leitfaden schließlich mit einem Nachwort in Form eines Plädoyers für „mehr Schlagweite“ des jüdischen-muslimischen Dialogs ab.

“Wir wollen Gesellschaft neu denken und wir wollen handeln. Gemeinsam”, schreiben die Herausgeber Jo Frank (ELES) und Hakan Tosuner (Avicenna) im Vorwort. Diese Handreichung ist ein guter, wichtiger erster Schritt in diese Richtung. Überzeugen Sie sich selbst und bestellen Sie hier oder in Ihrem liebsten Buchladen!

Während des Erstellungsprozesses der Handreichung lag der Fokus insbesondere auf Praktikabilität. Schon im ersten Jahr erreichten den Thinktank viele Unterstützungsangebote, für die wir uns herzlich bedanken. Melden Sie sich weiter gerne bei uns. Wir freuen uns nämlich über zahlreiche Nachahmer*innen und neue Kooperationen.

Bis dahin bedanken uns bei all unseren Partner*innen und wünschen eine gute Lektüre!

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˝Die Dialogperspektiven haben mein Leben in zweierlei Hinsicht bereichert. Zum einen haben sie mir neue Freundschaften ermöglicht: In unterschiedlichen interreligiösen und weltanschaulichen Begegnungen habe ich einzigartige Menschen kennengelernt, mit denen ich noch heute religiöse Theorien und Praktiken, aber auch zutiefst persönliche religiöse Gedanken und Gefühle austauschen kann. Zum anderen haben die Dialogperspektiven meinen beruflichen Werdegang nachhaltig beeinflusst: Sie haben mich dazu angeregt, in meinem wissenschaftlichen Werdegang die Funktionalität von Religion(en) in der individuellen Lebensbewältigung näher zu erforschen. Die Dialogperspektiven haben mir also letztendlich wertvolle Wege aufgezeigt, wie man sich mit dem Thema ‚Religiosität‘ bzw. ‚Interreligiosität‘ sowohl in persönlichen als auch in gesellschaftlichen Kontexten auseinandersetzen kann.

Nanthiny, Teilnehmerin der Dialogperspektiven