Rückblick: 1. Dialogperspektiven Check-In

Zeit für einen Check-in!

Falls es eine positive Erkenntnis gibt, die aus der derzeitigen herausfordernden Covid-19-Pandemie zu ziehen ist, dann diese: Wie zahlreiche andere Organisationen haben auch wir festgestellt, dass digitale Plattformen wunderbar dafür geeignet sind, die Monate zwischen unseren Seminarveranstaltungen mit Dialog und Debatte zwischen unseren Seminarteilnehmer*innen zu überbrücken. Deshalb haben wir das Format des Dialogperspektiven „Check-in“ ins Leben gerufen. Das erste Treffen fand am 17. November 2020 statt.

In den gut sechs Wochen seit dem Ende unseres Herbstseminars im Oktober ist viel passiert, was im Hinblick auf unsere thematischen Schwerpunkte zum interreligiös-weltanschaulichen Dialog sowie dem Verhältnis von Religion, Staat und Säkularismus von Relevanz ist. Deshalb war unser erstes digitales Treffen in informeller Atmosphäre ein dringend benötigtes Forum für die Diskussion dieser zahlreichen politischen, sozialen und gesellschaftlichen Brennpunkte aus unseren mannigfaltigen europäischen Perspektiven.

„Was raubt euch den Schlaf? Welche Themen beschäftigen euch gerade?“ fragte Gil Shohat, Projektreferent bei den Dialogperspektiven in seinem kurzen Impulsvortrag zu aktuellen Entwicklungen in Europa seit dem Herbstseminar zu Beginn der Sitzung. Die politische Krise in Polen infolge des vom Obersten Gerichtshof verhängten faktischen Abtreibungsverbotes, die weitere Verbreitung von Verschwörungsmythen infolge der Covid-19-Pandemie, islamistische Terrorattacken in Frankreich, Österreich und Deutschland und ihre Auswirkungen auf die zunehmend polarisierte Debatte über das Verhältnis von Islamismus und Säkularismus sowie der damit zusammenhängende Anstieg verbaler und physischer Gewalt gegenüber Muslim*innen, und nicht zuletzt die Auswirkungen der Präsidentschaftswahlen in den USA auf die politische Situation in Europa – dies nur einige der Themen, die dabei angesprochen wurden.

Diese Themensammlung wurde durch unsere Teilnehmer*innen ergänzt und diskutiert, bevor folgende „Breakout-Rooms“ eingerichtet wurden, in denen die Teilnehmer*innen in vertiefte Gespräche eintauchen konnten:

  • Das Verhältnis zwischen Säkularismus, dem Konzept des Laizisimus sowie religiöse Identität (West-)Europa
  • Die politische Krise in Polen in Bezug auf das faktische Abtreibungsverbot
  • Die Verschränkungen zwischen Rechtsextremismus, Verschwörungsmythen und antimuslimischen Rassismus/Antisemitismus
  • Die Auswirkungen der US-Wahl auf Europa

Weil die Diskussionen nach den ursprünglich veranschlagten 90 Minuten beiweitem nicht beendet waren, ging die Sitzung noch in eine einstündige „Verlängerung“, damit wirklich alle Teilnehmer*innen ihre Gedanken und Meinungen zur aktuellen Lage teilen konnten.

Es tut so gut, mit ähnlich gesinnten Menschen zu über die aktuelle Situation zu sprechen.“ sowie „Euch alle zu sehen motiviert mich, die verschiedenen Kämpfe in unserer Gesellschaft weiterzuführen.“ sind nur zwei Zitate aus einer Fülle spontaner Rückmeldungen aus der Gruppe. Wir werden diese Form der Kommunikation ohne Frage beibehalten und die monatlichen „check-ins“ monatlich anbieten.

Langfristig möchten die Dialogperspektiven dieses Format noch partizipativer gestalten, in dem die Teilnehmer*innen im Vorhinein Themenbereiche, die sie derzeit beschäftigen, im für das Plenum aufbereiten. Damit sollen auch zwischen den Seminaren die interreligiös-weltanschaulichen Dialogformate ausgebaut und neue Wege der Debatte erprobt werden.

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˝Die Dialogperspektiven haben mir einen intensiven Austausch mit Menschen verschiedenster religiöser Hintergründe, sowie inspirierende Einblicke in deren religiöse Praktiken ermöglicht. Aus den persönlichen Begegnungen mit den anderen Teilnehmer*innen ist ein Verbundenheitsgefühl entstanden, welches weit über den Projektzeitraum hinaus trägt. Die positiven Erfahrungen in den Dialogperspektiven haben mein Interesse befördert, mich als Künstler mit spirituellen Fragen auseinanderzusetzen, Kunstwerke auch in religiösen Kontexten auszustellen und damit im interreligiösen Austausch aktiv zu sein.

Julian, Teilnehmer der Dialogperspektiven