Der Hajj, neue Medien und Pandemien in den 1920er Jahren

2020 war in jedweder Hinsicht ein außergewöhnliches Jahr – auch für muslimische Pilgernde. So wurde etwa der diesjährige Hajj nahezu vollständig abgesagt. Wie wir alle wissen, sind Pandemien historisch gesehen nicht neu. Wie also sind Organisator*innen des Hajj in der Vergangenheit mit diesen Risiken umgegangen?

 

Rukkayah Reichling, eine unserer diesjährigen Dialogperspektiven-Teilnehmerinnen, hat sich dieses Themas angenommen. Unter anderem ihre multidisziplinäre Ausbildung in Sprachwissenschaften, Kommunikationswissenschaft, Anthropologie und Islamwissenschaften hat sie dazu motiviert, ein Forschungsprojekt zu Repräsentationen des Hajj aus historischer Perspektive zu beginnen.

 

Seit 2019 ist Rukkayah an der Universität Amsterdam tätig, wo sie als Doktorandin im europäischen Forschungsprojekt „Mediating Islam in a Digital Age“ mitarbeitet, welches die vielfältigen Einflüsse der zunehmenden Medialisierung auf islamische Praxis untersucht. In diesem Forschungsverbund schaut sich Rukkayah genauer an, wie die neuen Medien des 19. Jahrhunderts, vor allem Fotografie und Film, durch damalige Kolonialmächte dazu genutzt wurden, den heiligen Pilgerzug nach Mekka, dem Zentrum der islamischen Welt, zu dokumentieren.

 

In ihrem Kurzfilm nimmt Rukkayah insbesondere historisches Filmmaterial aus den 1920er Jahren in den Blick. Aus diesen Aufnahmen lassen sich damalige Gesundheitsvorkehrungen erkennen, die von Kolonialmächten implementiert wurden, um die Pilgerzüge nach Mekka in einer Zeit der Pandemie zu regulieren.

 

In ihrer Mikrodokumentation gibt uns Rukkayah also einen Einblick in die globale Realität des Hajj (und der Pandemie!) vor beinahe einem Jahrhundert. Sie rückt damit unsere aktuelle Gesundheitskrise und ihre immensen Auswirkungen auf Religionsgemeinschaften – in diesem Fall die muslimische Gemeinschaft – in einen größeren historischen, politischen und epidemiologischen Kontext.

 

Wir wünschen viel Spaß mit dem Video und, wie immer, wir freuen uns über ihre/eure Kommentare oder Emails!

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˝Vielfalt. Potenzial. Einzigartiges Format.

John, Teilnehmer der Dialogperspektiven