CPPD: Zum Todestag von Oury Jalloh und in Gedenkan an die Opfer von Polizeigewalt in Deutschland. Ein Dossier von CPPD-Mitglied Nadja Ofuatey-Alazard

Ein Dossier von CPPD-Mitglied Nadja Ofuatey-Alazard

Oury Jalloh (1968–2005) wurde in Sierra Leone geboren und lebte seit 2001 als Asylsuchender in Dessau. Am 7. Januar 2005 wurde er dort von der Polizei in Gewahrsam genommen und verbrannte Stunden später, an Händen und Füßen gefesselt, in einer Zelle im Polizeirevier Dessau. In der Folge forderten und fordern seine Familie und zivilgesellschaftliche Initiativen wie die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh die vollständige Aufklärung seines gewaltvollen Todes. Nach wie vor behauptet die Polizei, Jalloh habe sich trotz Handschellen und einer brandschutzsicheren Matratze selbst angezündet. Der Fall Oury Jalloh bleibt bis heute juristisch umkämpft und ist eines der bekanntesten Beispiele für institutionellen Rassismus in Deutschland.

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh gründete sich unmittelbar nach dem Brandtod Oury Jallohs und flankiert seitdem die mangelhaften staatlichen Ermittlungen in Sachsen-Anhalt durch eigene gutachterliche Untersuchungen und zivilgesellschaftlichen Druck. So wurde bspw. die Eröffnung eines gerichtlichen Strafverfahrens erst durch das Ergebnis einer zweiten, spendenfinanzierten Autopsie ermöglicht, bei der mehrere schwere knöcherne Verletzungen am Leichnam von Oury Jalloh nachgewiesen wurden, die diesem unmittelbar vor seinem Tod zugefügt worden waren. Im November 2021 wurden auch die Ergebnisse eines erneuten unabhängigen forensischen Gutachtens veröffentlicht, nachdem im Rahmen einer tatortgetreuen Brandrekonstruktion wiederum aufgezeigt werden konnte, dass Oury Jalloh sich aufgrund der Vier-Punkt-Fixierung unter keinen Umständen selbst angezündet haben konnte, dass bei dem massiven Brand mit Sicherheit ein Brandbeschleuniger wie bspw. Benzin verwendet worden war, und dass die Arrestzellentür offen gestanden haben muss, um eine ausreichende Luftzufuhr zu gewährleisten.

Es ist also davon auszugehen, dass mehrere Dessauer Polizeibedienstete Oury Jalloh am 7.1.2005 so schwer misshandelt hatten, dass er bereits handlungsunfähig oder vielleicht sogar schon tot war, als sie ihn mit Brandbeschleuniger begossen und anzündeten, um die zuvor zugefügten Verletzungen zu vertuschen.

Mit den Ergebnissen der Brandsimulation will die Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh, die dessen Familie im Klageverfahren unterstützt, eine Wiederaufnahme der Ermittlungen erzwingen, damit dieses vor 17 Jahren von Staatsbediensteten verübte Kapitalverbrechen endlich gesühnt wird.

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˝Unsere Gruppe konnte einen Raum schaffen, in dem ich aus der Defensive heraustreten konnte, weil niemand in der Offensive stand. Wir wurden dazu ermutigt, auch das „eigene“ Ungemütliche, Eckige und Kantige nicht entschuldigend wegzuerklären, sondern zu akzeptieren, dass es da ist. Unser Dialog war nicht darauf erpicht, Antworten zu finden, sondern Fragen zu stellen; diese Fragen haben wir nicht einander gestellt, sondern gemeinsam.

Iman, Teilnehmerin der Dialogperspektiven